Seife ist nicht einfach eine Mischung
Wenn man eine Seife betrachtet, liegt der Gedanke nahe, dass ihre Herstellung darin besteht, mehrere Zutaten zu vermischen und sie anschließend aushärten zu lassen.
Die Realität ist interessanter.
Für die Herstellung einer echten Seife durchlaufen die Rohstoffe eine chemische Reaktion.
Diese Reaktion hat einen Namen:
die Verseifung.
Sie wandelt Fette und Öle in Seife um.
Die Unterscheidung ist wesentlich.
Ein zur Herstellung von Seife verwendetes Öl bleibt nicht unbedingt in seiner ursprünglichen Form erhalten.
Eine Umwandlung hat stattgefunden.
Und genau diese Umwandlung führt zur Entstehung der Seife.
Was geschieht während der Verseifung?
Im Prinzip beruht die Verseifung auf dem Zusammentreffen von Fetten und Ölen mit einer starken alkalischen Base.
Fette und Öle bestehen hauptsächlich aus Triglyceriden.
Wenn sie mit der alkalischen Base reagieren, werden ihre Strukturen verändert.
Die Reaktion führt insbesondere zur Bildung von:
Fettsäuresalze - die Seife - und Glycerin.
Anders gesagt: Aus den Ausgangsstoffen entstehen neue Substanzen.
Das unterscheidet eine chemische Reaktion von einer einfachen Mischung.
Warum verwendet man Fette und Öle?
Weil sie den grundlegenden Rohstoff für die traditionelle Seifenherstellung bilden.
Öle und Fette weisen unterschiedliche Fettsäurezusammensetzungen auf.
Diese Zusammensetzung beeinflusst die Eigenschaften der entstehenden Seife.
Je nach ausgewählten Rohstoffen und ihrem Anteil lassen sich verschiedene Parameter beeinflussen:
die Härte,
die Haltbarkeit,
die Art des Schaums,
die Waschkraft,
oder auch bestimmte Empfindungen während und nach der Anwendung.
Die Auswahl der Fette und Öle ist daher nicht nebensächlich.
Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Formulierungsarbeit.
Warum ist eine alkalische Base erforderlich?
Ohne eine alkalische Base gibt es keine Verseifung im klassischen Sinn.
Es ist für die chemische Umwandlung der Fette und Öle erforderlich.
Für feste Seifen verwendet man im Allgemeinen Natriumhydroxid, oft auch Ätznatron genannt.
Diese Information kann manchmal beunruhigen, wenn sie aus ihrem Zusammenhang gerissen wird.
Dennoch muss man zwischen dem Stoff unterscheiden, der eine Reaktion auslöst, und der korrekt formulierten Endzusammensetzung.
Bei einer korrekt hergestellten Seife wird die für das Verfahren erforderliche Natronlauge anhand der Fette berechnet, damit die Reaktion kontrolliert abläuft.
Genau hier gewinnen Formulierung und Sorgfalt an Bedeutung.
Die Präzision beginnt mit der Berechnung
Die Herstellung einer Seife besteht daher nicht darin, ungefähr eine bestimmte Menge einer alkalischen Lauge in Öle zu gießen.
Jedes Fett besitzt besondere Eigenschaften und erfordert eine bestimmte Menge an Lauge, um verseift zu werden.
- Der Formulierer muss daher präzise arbeiten.
- Zu wenig.
- Zu viel.
- Eine Änderung der Mengenverhältnisse.
- Eine Änderung des Öls.
- All dies beeinflusst das Gleichgewicht der Formulierung.
Die visuelle Einfachheit der Seife verbirgt somit eine grundlegende Realität:
Ihre Herstellung beruht auf Präzision.
Glycerin: eine natürliche Folge der Reaktion
Bei der Verseifung entsteht ebenfalls Glycerin.
Dieser Stoff besitzt feuchtigkeitsbindende Eigenschaften: Er kann insbesondere dazu beitragen, Wasser zu binden.
Ihr Vorkommen in bestimmten Seifen ist daher im Hinblick auf deren Formulierung und Sensorik besonders interessant.
Doch auch hier ist Genauigkeit gefragt.
Dass eine Seife von Natur aus Glycerin enthält, bedeutet nicht, dass sie automatisch für alle Hauttypen geeignet ist oder niemals ein unangenehmes Gefühl hervorrufen kann.
Das Produkt muss immer in seiner Gesamtheit betrachtet werden.
Ergeben alle Öle dieselbe Seife?
Nein.
Und genau das eröffnet ein weites Feld für die Formulierung.
Die verschiedenen Öle und Fette weisen nicht dasselbe Fettsäureprofil auf.
Sie tragen daher nicht in gleicher Weise zu den endgültigen Eigenschaften der Seife bei.
Manche können stärker zu ihrer Härte beitragen.
Andere tragen zum Schaum oder zu bestimmten sensorischen Eigenschaften bei.
Das Fachwissen besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen mehreren Eigenschaften zu finden.
Noch einmal: Eine Substanz lässt sich nicht nur isoliert beurteilen, sondern auch anhand ihrer Rolle im Gesamtgefüge.
Und was ist eine überfettete Seife?
Der Begriff fällt sehr häufig, wenn von Seifen die Rede ist.
Ihr Prinzip verdient jedoch einen eigenen Artikel.
Allgemein wird eine überfettete Seife so konzipiert, dass ein Anteil der Fette unverseift bleibt oder dem gewählten Verfahren entsprechend nach der Reaktion bestimmte Fette zugesetzt werden können.
Ziel ist insbesondere, die entfettende Wirkung der Reinigung und das Hautgefühl danach zu regulieren.
Doch das Wort „überfettet“ erlaubt allein keine Beurteilung der gesamten Qualität einer Seife.
Auf diesen Begriff kommen wir noch genauer zurück.
Kann die Temperatur das Verfahren verändern?
Ja.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Verseifung durchzuführen.
Temperatur, Herstellungsprozess und die der Seife eingeräumte Zeit können je nach Methode variieren.
Insbesondere ist von Kaltverseifung oder von Verfahren mit stärkerer Wärmeeinwirkung die Rede.
Diese Begriffe werden manchmal als Argumente für eine uneingeschränkte Qualität verwendet.
Die Realität verdient eine differenziertere Betrachtung.
Jedes Verfahren hat seine eigenen Merkmale.
Entscheidend bleiben die Beherrschung der Formulierung, des Prozesses und des Endprodukts.
Auch dieser Unterscheidung widmen wir einen eigenen Artikel.
Warum muss man manchmal warten, bevor man eine Seife verwendet?
Bei bestimmten handwerklichen Verfahren, insbesondere bei der Kaltverseifung, ruht die Seife nach ihrer Herstellung mehrere Wochen.
Diese Zeit wird üblicherweise als Reifezeit bezeichnet.
Während dieser Phase verliert die Seife insbesondere einen Teil ihres Wassers und gewinnt allmählich an Härte.
Die Zeit wird damit zu einem Bestandteil des Prozesses.
Es geht nicht einfach darum, abzuwarten, um dem Produkt ein handwerkliches Image zu verleihen.
Diese Zeit trägt zu ihrer physikalischen Entwicklung bei.
Seife besitzt von Natur aus einen alkalischen pH-Wert
Eine echte, durch Verseifung entstandene Seife ist alkalisch.
Ihr pH-Wert liegt daher über dem der Hautoberfläche, die von Natur aus saurer ist.
Dieser Unterschied erklärt, warum nicht alle festen Reinigungsprodukte im chemischen Sinne unbedingt Seifen sind.
Es gibt auch dermatologische Waschstücke oder Syndets, die aus anderen Reinigungssubstanzen formuliert sind und andere pH-Eigenschaften aufweisen können.
Diese Unterscheidung ist wichtig.
Darauf kommen wir zurück, denn dies hilft zu verstehen, warum zwei scheinbar ähnliche feste Produkte sehr unterschiedlich wirken können.
Handwerklich bedeutet nicht unpräzise
Das Bild der handwerklich hergestellten Seife ruft leicht eine Werkstatt, Öle, Formen und überlieferte Handgriffe hervor.
Diese Vorstellung besitzt eine eigene Schönheit.
Das echte handwerkliche Können sollte jedoch niemals mit Ungenauigkeit verwechselt werden.
Im Gegenteil.
Mit einer chemischen Reaktion zu arbeiten, erfordert Wissen, Präzision und Kontrolle.
Die Materialien können traditionell sein.
Der Handgriff kann alt sein.
Die Genauigkeit hingegen muss zeitgemäß sein.
Tradition und Chemie erzählen hier dieselbe Geschichte
Die Seife veranschaulicht besonders gut die Beziehung zwischen Tradition und Wissenschaft.
Über Jahrhunderte hinweg hat der Mensch gelernt, bestimmte Umwandlungen der Materie schrittweise zu beherrschen.
Die moderne Chemie ermöglicht es uns heute, einen Teil dieser Phänomene genau zu erklären.
Die Wissenschaft löscht das überlieferte Wissen daher nicht zwangsläufig aus.
Sie verleiht ihr eine Sprache.
Sie ermöglicht es, zu verstehen, warum ein Verfahren funktioniert, es besser zu kontrollieren und mit größerer Präzision zu reproduzieren.
Genau in dieser Begegnung liegt die gesamte Modernität der Seife.
Einen alltäglichen Gegenstand anders betrachten
Wenn wir das nächste Mal eine Seife in die Hand nehmen, können wir sie vielleicht mit anderen Augen betrachten.
Hinter ihrer vollkommen schlichten Form stehen:
Fette,
eine alkalische Basis,
Berechnungen,
eine chemische Reaktion,
Glycerin,
ein ausgewogenes Formulierungskonzept,
manchmal mehrere Wochen Reifezeit,
und schließlich ein ausreichend einfaches Objekt, um mit etwas Wasser und der Handfläche verwendet zu werden.
Diese abschließende Einfachheit ist daher nicht primitiv.
Sie ist das Ergebnis einer kontrollierten Umwandlung.
Verstehen, bevor man wählt
Genau aus diesem Grund möchten wir mehrere Seiten des Journal de la Maison der Seife widmen.
Nicht, um einen alltäglichen Handgriff unnötig kompliziert zu machen.
Doch um den Wörtern, die wir auf den Produkten immer wieder finden, ihre Bedeutung zurückzugeben:
- verseift.
- Überfettung.
- Glycerin.
- Kaltverseifung.
- pH-Wert.
- Hinter jedem von ihnen steht eine eigene Realität.
Und dieses Verständnis ermöglicht eine bewusstere Auswahl.
Denn auch diesmal beginnt Präzision mit Wissen.
„Seife wirkt einfach, weil die Umwandlung, durch die sie entsteht, bereits stattgefunden hat. Hinter dem Handgriff bleibt die gesamte Präzision des Materials bestehen.“
SHAYKO Grasse
Quand le soin devient une signature.
